Montag, Oktober 27, 2008

Bondage

Bei der Bondage scheiden sich die Geister der Fetischbegeisterten. Manche verstehen darunter schlicht launige Fesselspiele mit plüschgefütterten Handschellen, für andere ist es erst dann wahre Bondage, wenn gefesselte Frauen aussehen wie hübsch verschnürte Geschenkpakete. Wobei im Fall einer Fesselung nicht das Auspacken, sondern das Einpacken das Geschenk ist.

Man muss aber nun wirklich nicht ein Meister der Japanbondage sein, um Fesselspiele aufregend zu finden. Den anderen hilflos fesseln, so dass er sich nicht mehr rühren und sich auch nicht mehr wehren kann, ganz gleich, was man mit ihm anstellt – das besitzt einen enormen Reiz.

Und das gilt sowohl für gefesselte Frauen als auch für gefesselte Männer. In der Bondage herrscht die Gleichberechtigung.

Damit man aber wenigstens mitreden kann, wenn es auf der nächsten Fetisch Party eine Bondage Performance gibt, sollte man ein paar Grundbegriffe schon kennen. Obwohl: Bondage, japanische Bondage, Shibari, Kinbaku – da kann ja eigentlich niemand mehr durchsteigen.

Bondage, nun, das ist einfach das Fesseln des Partners – irgendwie und mit irgendeinem Material; Handschellen, Ledermanschetten, Seilen, Tüchern, Plastikfolie – wie beim Folien Fetisch.

Und Shibari ist nichts anderes als dasselbe in Grün; respektive der japanische Begriff für dieses Binden, Fesseln. Allerdings gibt es dann die traditionelle japanische Fesselkunst – oder auch Kinbaku -, die strenge Regeln dafür aufstellt, womit und wie eine solche Fesselung durchzuführen ist.

Wobei die traditionelle japanische Bondage zum Teil auch Asanawa genannt wird; ein Begriff, der sich andererseits auf das traditionelle Werkzeug der Nawashi, der Seilkünstler bezieht, das Hanfseil. Wörtlich übersetzt allerdings wiederum bedeutet der Ausdruck Nawashi Hersteller von Seil.

Genug Verwirrung gestiftet?

Und dann gibt es ja noch die äußerst wichtige Diskussion, ob es für die Bondage, zumindest für die japanische Bondage, wirklich Hanfseile sein müssen, um eine Bondage tatsächlich als solche zu qualifizieren, oder ob es Baumwollseile nicht ebenso tun. Oder gar – welche Blasphemie! – Nylonseile aus dem Baumarkt. Die es immerhin schön bunt in allen Farben gibt.

Jedenfalls, halten wir das fest, was eindeutig ist: Einfach ausgedrückt, ist japanische Bondage die Kunst der Fesselung mit Hilfe eines Seils auf eine bestimmte Art und Weise in bestimmten Positionen. Ganz streng an dieses Regelwerk halten sich aber nur wenige. Der Hauptzweck der japanischen Bondage ist auch keineswegs die Einhaltung dieser technischen Regeln an sich, sondern die Kreation eines “Gesamtkunstwerks” aus Partner/in und Seil; was diese Regeln lediglich erleichtern sollen. Es geht dabei nicht nur um die Fesselung, sondern auch um die Ästhetik derselben.

Wenn man weiß, dass die meisten dieser Seilkünstler, die uns auf Fetisch Partys hin und wieder mit ihren scheinbar so leichthin absolvierten Bondage Vorführungen begeistern, Jahre oder Jahrzehnte brauchten, um ihre Kunst derart zu perfektionieren, muss man sich nicht wundern, warum man selbst zumindest anfangs ein wenig Schwierigkeit hat, diese Perfektion zu erreichen.

Spaß macht das Fesseln auf jeden Fall; ganz gleich, wie und womit es erreicht wird. Von daher ist eine Frage immer der Auftakt zu erotischen Augenblicken: Fesseln wir heute Abend japanisch?

Übrigens, keine Angst – Bondage hat auch sehr viel mit Erotik und Sex zu tun. Das ist keineswegs verboten. Denn erstens ist Bondage eine perfekte Einstimmung für einen romantischen Abend. Und zum zweiten ermöglichen manche Fesselungen auf geradezu göttliche Weise die heißesten Sexspiele. Man muss das gefesselte Geschenk nicht auspacken, um es nach Herzenslust benutzen zu können …


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